Data-Mining im Social Web
30. März 2010

„Die Masse denken lassen“ – Crowdsourcing als Innovationstreiber

Eine Ameise allein ist dumm. Treten Ameisen aber als Masse auf, sind sie klüger als jeder Einzelne, bauen gemeinsam Häuser und beschaffen Essen – Dieses auf vielen Konferenzen angebrachte Beispiel erklärt ein Phänomen, das umgesetzt mit Web 2.0-Tools für Unternehmen bares Geld einbringen soll: Crowdsourcing.

„Eine praktische Idee für alle, die gerne kochen: Ein Schneidebrett mit Auffangschale darunter, in der man sein Schnittgut direkt sammeln kann.“ So beschreibt Tilla Goldberg ihr Produkt, das als erstes Ergebnis der Crowdsourcing-Plattform Tchibo Ideas den Weg in die Tchibo-Stores gefunden hat. Seit Mai 2008 setzt Tchibo mit der Dialog-Plattform auf die Schwarmintelligenz. Das Prinzip ist denkbar einfach: Eine Masse an internen oder externen Ressourcen wird dazu aufgerufen, Ideen auf einer Online-Plattform einzugeben, diese gemeinsam weiterzuentwickeln und zu bewerten. Was für die Unternehmen herauskommen soll, sind durchdachte Vorschläge für Verbesserungen und (Produkt-)Neuerungen, kurz: Innovationen.

Im sogenannten „Open Innovation“ Ansatz binden Unternehmen ihre Kunden, Partner oder Lieferanten in den Ideenfindungsprozess ein. Im „Closed Innovation“ Ansatz greifen Unternehmen hingegen auf die Ideen und Vorschläge der eigenen Mitarbeiter zurück, um das Wissen intern zu halten. Von der Intelligenz der Masse wird dabei nicht nur in Form von neuen Ideen profitiert. Nicht aus jedem Menschen sprudeln Ideen, aber die meisten Personen können gut beurteilen, ob ein Vorschlag erfolgversprechend ist oder nicht. Dieses Potenzial kann durch Bewertungs- und Feedbackmöglichkeiten genutzt werden. Gemeinsam bewertet eine Community Qualität und Chance einer Idee. Der über Zeit entstehende Reputationsindex hilft dabei, brillante Köpfe zu identifizieren – ganz unabhängig von Hierarchie und Struktur.

Je nach Einsatz kann eine Plattform, die auf Crowdsourcing setzt, die Wettbewerbssituation eines Unternehmens verbessern, indem die Innovationsfähigkeit gesteigert wird und neue Ideen zur Produktivitätssteigerung oder Wirtschaftlichkeitsverbesserung führen. Social-Web-Komponenten wie das Vernetzen von Mitarbeiterprofilen führen zur Verbesserung der sozialen Beziehungen und eröffnen neue Möglichkeiten der kooperativen Führung für den Vorgesetzten.

Doch was muss ein modernes Innovationsmanagement bieten, um solche Effekte hervorzurufen? Es muss vor allem intuitiv zu bedienen sein. Crowdsourcing kann nur erfolgreich sein, wenn die „Masse“ auch partizipiert, was sie nur tun wird, wenn auf den ersten Blick erkennbar ist, welche Beitragsmöglichkeiten gegeben sind. Ebenso muss dem Nutzer ein klares Ziel vor Augen stehen, sei es eine monetäre Belohnung, soziale Anerkennung (z.B. Beitrag in Mitarbeiterzeitung) oder ein origineller Preis (z.B. Essen mit dem CEO). Schnittstellen zu bekannten Social-Web-Seiten (z.B. Facebook, Twitter, XING) können die Attraktivität der Seite für die Nutzer erhöhen. Für Unternehmen sind Anbindungen zu Mitarbeiterdatenbanken, ein Rollen und Rechtemanagement sowie Möglichkeiten E-Mail-Benachrichtigungen einzubinden von zusätzlicher Bedeutung. Nur mit einer modernen Innovationskultur, stringenten Prozessen und der passenden Softwarelösung, kann Crowdsourcing erfolgreich sein.